L’APPEL DU VIDE – Metro – LP, farbiges Vinyl

L’APPEL DU VIDE – Metro – LP, farbiges Vinyl

17,00 

Franz Klein von Wisenberg
Sabotage Records
Fehrfeld 4
28203 Bremen
Deutschland
+49 (0)176 57681759
info@sabotagerecords.net

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Du reitest über die Hügel von Zwickau in Richtung Nordosten. Die Lederzügel schneiden sich in deine gefrorenen Hände, während heißer und saurer Sod sich seinen Weg nach oben bahnt. Metaphysischer Kater-Schweiß dringt Poren für Poren durch deine Haut, durch ein verblasstes Sarg-Tattoo auf deinem Unterarm. Die müden Füße in den NVA-Stiefeln deines Vaters umklammern die Flanken eines dampfenden, grauen Appaloosa, oder ist es nur die frisierte Simson S51?
Das spielt keine Rolle, denn es ist eigentlich deine eigene Gedankenmaschine, in der du durch die Ruinen des Selbstbewusstseins wanderst und dem Ruf der Leere folgst. Nach Chemnitz – dem San Francisco des kleinen Mannes.

Was dich dort jedoch erwartet, ist nicht Bernd Spiers einfältiges Flowertime, sondern Asbest, Eternit und vor allem die Risse, die sich durch alles ziehen. Genau hier verdichten sich die Songs auf L’Appel du Vides erstem Album „Metro“ zu einem 9-stöckigen Monolithen aus Post-Punk, Death Rock, Synth und Darkwave, der – einmal erklommen – den Blick über diese Genregrenzen hinaus freigibt. Ein schimmernder schwarzer Jenga-Turm aus (ost-)deutscher Angst und kompromissloser Introspektion. Viel aufrichtiger als Campino es in seinem einstudierten Seitwärtssalto-Tanz im Zentrum der Gesellschaft glauben machen will, führt er dich weg von den niedrig hängenden Früchten des epigonalen (Post-)Punk-Windes. Hin zu den blühenden Blumen wahrer Musikliebe.
Du hast dich festgebissen und dran geblieben, hast gegraben und sortiert, die Liner Notes gelesen und vor allem die vielen Platten angehört. Wir haben die Schubladen geöffnet und

Sänger René klagt ohne Allüren, ohne mit dem Finger zu zeigen und immun gegen jeden Zeitgeist-Hype in sein eigenes Herz hinein. Die Gitarre sägt, klirrt und kreischt vor Hunger und ist doch satt. Die Rhythmusgruppe knurrt und rattert und hämmert sich geradewegs in den Abgrund, aus dem hier und da auch analoge Synthesizer auftauchen, um kurz Luft zu holen. Man hört die Instrumente tatsächlich atmen, so ehrlich ist der Sound. Gitarrist Flatty hat die Band Anfang 2023 im Studio Gloom in Chemnitz aufgenommen. Aber es geht nicht nur um Sachsen und die allzu oft beschworenen, muffigen Wurzeln der Zurückgelassenen. Es geht um Detroit, Frisco und Los Angeles. Manchester, New York und Portland. Und so wie „Feel the Darkness“ von Poison Idea (um eine Reminiszenz zu verwenden) beginnt, endet „Metro“ nach 37 Minuten Spielzeit – mit nacktem Klavier. Dazwischen: eine Verwandtschaft in Kraft und Haltung, nur ohne Metal und Getue. Nur Kraft und Leere. Und in der Satteltasche ein altes Foto vom Meer, körnig, schwarz-weiß und doch alle Farben reflektierend.

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